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Räuber zwischen Maas und Rhein: Gerechtigkeitswalter, Freiheitskämpfer, Kriminelle

09.09.2007-30.11.2007

















   
Bei der Ausstellungseröffnung kam die Hinrichtung des Fetzers zur Aufführung!


Besonders in der Zeit der französischen Fremdherrschaft von 1794 an, betätigten sich im Rheinland zahlreiche Banden, die sich teils als Freiheitskämpfer sahen und ihre Beute auch mit dden Armen teilten. Sie fanden Sympathie bei Randgruppen der Bevölkerung, waren aber im Grunde Kriminelle.

Der 'Fetzer' wird zur Guillotine gefahren!


Die Geschichte hat alles, was ein klassischer Kinofilm benötigt: Sex and Crime, Tragik, Abenteuer und ein furchtloser Held: Nur mit dem Unterschied, dass das Leben des Mathias Weber, genannt der Fetzer, keine Fiktion ist, sondern pure Realität. Seine Raubzüge am Niederrhein zu Beginn des 19. Jahrhunderts stehen ab Sonntag, 9. September, im Mittelpunkt der Ausstellung "Räuber zwischen Rhein und Maas" im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath. Initiator der Ausstellung war der Journalist Helmut Müller aus Kempen, der sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat.
"Wir versuchen, den Besuchern die damalige Zeit mit Schurken, Gerechtigkeitswaltern und Freiheitskämpfern so realistisch wie möglich näher zu bringen," kündigt Museumsleiter Dr. Heinz-Peter Mielke an. So wird zum Beispiel die Hinrichtungsszene des Fetzers von Laiendarstellern in zeittypischer Kleidung nachgestellt. Wenn das Totenglöckchen bimmelt, hat der Fetzer aus Grefrath noch 20 Minuten zu leben. Der Henker auf dem Schafott wartet schon auf den Karren mit dem Verurteilten und seinen Bewachern. Nach der Verlesung des Urteils, dem Gebet mit dem Pfarrer und der Ansprache des Fetzers an das Volk folgen Trommelwirbel und der brutale Einsatz der Guillotine. Gänsehaut pur! Der Ablauf der Hinrichtungsszene und die letzten Worte des Fetzers sind originalgetreu, weil dokumentiert.

Weiter zeigt die Ausstellung Einbruchsgegenstände, zwei Guillotinen, Beispiele der Gaunersprache Rotwelsch und anhand einer Landkarte die räumliche Dimension der zahlreichen Tatorte am Niederrhein. Denn Mathias Weber, alias der Fetzer, war nicht der einzige Gauner. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts machten die so genannten Bockreiter die Gegend um Aachen unsicher. Die Brauhaus- und Cronenbergbande trieb um 1820 ihr Unwesen in Emmerich und der Region. Später narrte Wilhelm Brinkhoff die Verfolgungsbehörden, ehe er verurteilt wurde, aus dem Klever Schwanenturm ausbrach und nach Amerika flüchtete.

Die Ausstellung geht dem Phänomen der Räuberbanden nach, zeigt ihre Heroisierung und literarische Bearbeitung, spart aber auch die Ursachen nicht aus, die in der Armut und in der französischen Besatzung zu suchen sind. Wie ein Ausflug mit der Zeitmaschine wirkt da die Darstellung der sozialen Situation der Menschen, der Überlebenskampf auf der Straße in elendigen Zeiten, inklusive Wirtshausatmosphäre, Hehlerwesen und Bordellen.

Wie der Fetzer und seine Spießgesellen zu beurteilen sind, ob als Robin Hood oder gemeine Verbrecher, darüber können sich die Besucher der Ausstellung selbst ein Urteil bilden. Dem nur 1,59 Meter großen Fetzer wurden rund 360 Überfälle und Diebstähle sowie zwei Morde, darunter der an seiner Ehefrau, zur Last gelegt. Bei seiner Hinrichtung im Jahr 1803 war er noch keine 25 Jahre alt.